Nachdem einige Bereiche der Wirtschaft von der Pandemie relativ verschont geblieben sind bzw. wieder rasch Fahrt aufgenommen haben, hellt sich die Stimmung in der Schweizer Wirtschaft zunehmend auf. Das Zinsniveau ist noch immer historisch tief und Europas 750 Mrd. Euro schwerer Rettungsfond als Teil des europäischen Aufbauplans steht bereit. Mit Fortschritten bei den Impfkampagnen und Aufhellung der Wirtschaftslage ist auch die Konsumentenstimmung auf Vorkrisenniveau zurückgekehrt. Diese Entwicklungen lassen bei vielen Marktteilnehmern darauf hoffen, dass das Schlimmste wirtschaftlich überstanden ist.

Die niedrige Anzahl von Unternehmensinsolvenzen sollte jedoch nicht als Zeichen einer nachhaltigen, gesunden Finanz- und Ertragslage der Unternehmen gedeutet werden. So warnt indes der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB), dass eine mögliche Insolvenzwelle droht, sollten Mitgliedsstaaten nicht einen gezielten und reibungslosen Übergang von auslaufenden Sofort- bzw. Liquiditätshilfen hin zu Massnahmen zur Unterstützung des Strukturwandels und des Erhalts von wettbewerbsfähigen Betrieben schaffen.

Die genannte Transition setzt für die Politik ein grosses Mass an Fingerspitzengefühl voraus. Die Politik sollte Insolvenzen von wettbewerbsfähigen Unternehmen mittels gezielter Hilfsprogramme versuchen zu vermeiden, gleichzeitig jedoch Insolvenzen von grundsätzlich nicht überlebensfähigen Unternehmen zulassen und diese effizient abwickeln. Für die Schweizer Wirtschaft spielt unter anderem das Timing für das Auslaufen der ausgedehnten und vereinfachten Kurzarbeitsregelung eine wichtige Rolle, dessen Höchstbezugsdauer am 12. Mai 2021 auf 24 Monate erhöht wurde.

Implikationen für Unternehmen und deren Lieferantenbasis

Selbst an sich gesunde und wettbewerbsfähige Unternehmen können mit einer gestiegenen Verschuldung belastet sein und die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs bringt veränderte oder neue Risiken mit sich. Eine reibungslos funktionierende Lieferkette ist eine entscheidende Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Nicht nur die fortschreitende Globalisierung und der steigende Kostendruck stellen das Supply Chain Management vor Herausforderungen, hinzukommen Unsicherheiten, wie finanziell robust die eigene Lieferantenbasis die Krise gemeistert hat. Während einige Unternehmen jüngst einen positiven Anstieg des Auftragseingangs verzeichnen konnten, stellt die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Waren und Vorprodukten eine unmittelbare Herausforderung dar. Ein umfassendes Risikomanagementprogramm für Lieferanten ist daher nicht nur im Hinblick auf potenziell steigende Insolvenzen essenziell, sondern auch zur Prävention von unnötigen Abhängigkeiten und Versorgungsengpässen.

Um zu verstehen, wo die Risiken angesiedelt sind, muss unter Umständen tief gegraben werden. Dies impliziert, über die erste und zweite Lieferantenebene hinauszugehen und die gesamte Lieferkette einschliesslich der Vertriebseinrichtungen und Transportknotenpunkte zu durchleuchten. Das Risikomanagement hat nicht zum Zweck lediglich strategische Direktlieferanten zu monitoren, die einen grossen Teil der Ausgaben ausmachen, sondern dient als Frühwarnsystem um einen unerwarteten Stillstand des Geschäfts, sei es aus aufgrund fehlender Komponenten, Qualitätsproblemen oder Insolvenz des (Sub-)Lieferanten, zu verhindern.

Idealerweise ist das Risikomanagement als integraler Bestandteil in das Lieferanten-Leistungsmanagement («Supplier Performance Management») eingebettet. Das Leistungsmanagement unterstützt die Wertschöpfung, überwacht Risiken und stellt sicher, dass Lieferantenleistung und -beziehung gestärkt werden. Unternehmensspezifische Risiko-Archetypen (bspw. finanzielle Stabilität, Lieferungsleistung, Qualität, Kosten) helfen, die Risikoprofile der Lieferanten routinemässig zu kategorisieren.    

Basierend auf den Risiko-Archetypen können detaillierte Risikoprofile pro Lieferanten erstellt werden, um jene mit den höchsten Risiken zu identifizieren. Eine Bewertung der Risiken und darauf basierend eine Priorisierung ermöglicht die Fokussierung der zeitlichen und finanziellen Ressourcen auf die kritischsten Lieferantenprobleme/Risiken, bei der ein Eingreifen mittels einer Task Force-Gruppe notwendig wird.  

Fazit

  • Staatliche (länderspezifische) Hilfsmassnahmen dürften zu unterschiedlichen Zeitpunkten auslaufen und betreffen Unternehmen als Teil von globalen Lieferketten unterschiedlich stark
  • Verfügbarkeit von Rohstoffen, Waren und Vorprodukten stellen eine unmittelbare Herausforderung für Unternehmen dar.
  • Präventive Massnahmen können lediglich ergriffen werden, wenn diese mittels geeigneten Frühwarnsystems als Teil des Risikomanagementprogramms rechtzeitig identifiziert werden
  • Festlegung eines finanzierbaren Sicherheitsbestands von kritischen Komponenten, der die finanziellen Auswirkungen von Lieferunterbrüchen minimiert

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